Der Aufwand, mit dem eigenen Schiff in den Urlaub zu fahren, hat sich für uns gelohnt. Das liegt auch daran, daß wir echte drei Wochen arbeitsfrei hatten, und somit Zeit. Auch wäre das Chartern einer Yacht für 2 in der Saison für unter 4000.- Euro ohne Nebenkosten möglich gewesen. Dafür kann man schon vier Mal Krankosten und Mastenkranen plus Sprit und Mautgebühren in Kauf nehmen. Mit dem eigenen Schiff unterwegs zu sein, bedeutete für uns, daß wir "Maschine" und Material kennen - und auch zu wissen, was wir uns zutrauen (und was eben nicht).
Wir sind insgesamt knapp 300 Meilen unterwegs gewesen - für eine so lange Urlaubszeit eigentlich nicht viel, aber da der Törn auch unter dem Motto "Wind - Sonne - Bikini & dolce vita" stand und auch ein Erholungsurlaub werden sollte, waren diese Meilen gerade richtig.
Mit einem kleinen Schiff auf dem Meer unterwegs zu sein, verlangt sorgfältige Wetterbeobachtung - die Windvorhersage bestimmt die Reiseroute. Und deshalb muß man auch, wie wir in Capraia in der ersten Woche, mal 3 Nächte Wartezeit auf beseres Wetter in Kauf nehmen. Auch können wir mit 9 PS und 30 Litern Sprit nicht einfach den Hebel auf den Tisch legen und mal eben 50 Meilen motoren.
Das Revier ist, zumindest in Italien, relativ teuer. Die Hafengebühren orientieren sich an den Chartercrews: Wer mit 8 Leuten auf einer Charteryacht unterwegs ist, kann schon 15 Euro pro Nacht und Nase für das Hafenliegen ausgeben. Weniger Leute belastet die Bordkasse pro Kopf mehr. Was mich bei aller Liebe zu Italien immer wieder irritiert: Die gebotene "Leistung" steht in wenig Verhältnis zum Preis. Wir haben weder Dusche noch Seewasserklo mit Fäkalientank an Bord, und waren deshalb auf die Sanitäranlagen in den Häfen angewiesen... und die sind in einem teilweise üblen Zustand. Ich vergleiche gerne mit Kroatien, was ich aus meiner Zeit als Charterskipper auch gut kenne: Dort hat man die Wahl zwischen Buchten und Häfen. Die Häfen sind "teuer", aber dafür auch in einem meist ausgezeichneten Zustand. Wer keinen Hafen benötigt, zieht sich in eine der vielen Ankerbuchten zurück. Die wiederum gibt es im Revier Elba-Korsika so nicht.
Die Reaktionen auf das kleine Schiff und diese Reise waren immer positiv. Unsere Reaktionen auf das kleine Schiff waren auch positiv! Man kann durchaus zwei Wochen Urlaub auf so engem Raum machen. Die Fahrerei ging eigentlich auch gut. Die Koordination des Krantermins war weit weniger "italienisch" als befürchtet, und die Jungs in der Werft sind wirklich sehr sehr sanft mit der vela umgegangen.
Wir würden es wieder tun. Aber diesmal vielleicht doch in die Adria? Mal sehen.